Betrachtungstext
Fastenzeit 2026 01
In der Österlichen Bußzeit, die durchaus auch eine Fastenzeit sein sollte, also eine Zeit des bewussten Verzichtes, und das gilt nicht nur für Speisen, Getränke und Genussmittel, werden uns in den Gottesdiensten Texte aus der Heiligen Schrift angeboten, die uns helfen können, diese Zeit richtig zu nutzen. Ich will versuchen, dazu hier für jeden Tag ein paar brauchbare Gedanken festzuhalten. An dieser Stelle lade ich herzlich ein, neugierig zu sein, und diese Gedanken nachzuvollziehen oder ganz privat mit anderen zu ergänzen.
Mittwoch der Ersten Fastenwoche 2026
In der Bergpredigt finden wir unter Matthäus 5,37 den Satz: „Euer ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein.“ Daran sollten wir uns halten, vor allem weil es unmittelbar darauf heißt: „Alles andere ist ein Werk des Bösen.“ Von einem „Vielleicht“ ist dort nicht die Rede. Dennoch finden wir es in einer gewissen Umschreibung aus dem Munde Jesu, und zwar im Gleichnis vom „klugen“ oder, so wird es auch überschrieben, „ungerechten Verwalter“ (Lk 16,1-8), wenn dieser seine Erwägungen macht, wie er handeln soll, um von den Menschen aufgenommen zu werden, und sich dabei sogar sicher ist, dass es so kommt, wie er es sich denkt, wenn ihn sein Dienstherr entlässt. Wenn wir so wollen, ist darin ein Funke Hoffnung in einer ausweglosen Situation enthalten. Vielleicht wird ja doch noch alles gut!
In der Lesung des heutigen Tages aus dem Buch Jona (Jona 3,1-10) stoßen wir auch auf eine zunächst ausweglose Situation: Weil die Menschen ein Leben führen, das nicht gottgefällig ist, wird der Stadt Ninive von Gott die Zerstörung angedroht, und die Leute sprechen von „Gottes glühendem Zorn“. Nach der Predigt des Jona bleibt ihnen nur noch die Hoffnung, dass Gott sich von seinem Vorhaben abkehrt. Hier kommt das Wort „Vielleicht“ als Ausdruck der Hoffnung ins Spiel, und dieses „Vielleicht“ führt zum rechten Handeln mit der Folge, dass Gott Erbarmen hat und von seinem wohlverdienten Zorn ablässt.
Zur Änderung der Situation und zu einem guten Ende kommt es in der Jona-Geschichte aus verschiedenen Gründen: Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass Jona, zwar nach einem längeren Hin und Her und sogar der Flucht vor Gott und dessen Auftrag die Menschen zur Umkehr gerufen hat. Er beließ es, wenn wir so sagen wollen, nicht bei der Feststellung „Es ist, wie es ist, daran kann man nichts ändern!“ und hat sich auch nicht von der vielverbreiteten Meinung „Daran kannst Du nichts ändern!“ leiten lasse. Er hat das getan, was er tun sollte, nämlich „Umkehr“ gepredigt. Andererseits ist aber auch die Reaktion der Leute, denen er gepredigt hat, von Bedeutung: Sie haben „Umkehr“ gezeigt und ihr Leben im positiven Sinne geändert, was wiederum in der Hoffnung fußte, dass Gott vielleicht seine Meinung ändert und dann doch noch alles gut wird.
Wer will, kann ja in Anbetracht dieser Gedanken einmal die „Umkehr“, zu der wir in der Fastenzeit besonders aufgerufen sind, bedenken und entsprechend praktizieren. Wer diesbezüglich einen Ansatzpunkt benötigt, kann ja mal, auch abgesehen von dem bisher hier Geäußerten, darüber nachdenken, wie er in seinem Leben mit dem Wort „Vielleicht“ umgeht: Wird es leichtfertig ausgesprochen, um sich nicht festlegen zu müssen, und das geschieht nur allzu oft, oder ist es der Beginn von Überlegungen, die uns weiterbringen können? Wenn wir es einmal so betrachten wollen, beginnt ja eigentlich jede Wissenschaft mit der Frage, „ob vielleicht“. Und auch im menschlichen Zusammenleben kann uns die Offenheit des „Vielleicht“ weiterbringen. Das „Vielleicht“ eröffnet auch in der Theologie manche Dimension bis hin zur Frage, die ein jeder Mensch stellen kann: „Vielleicht gibt es ja doch einen Gott?“ Wer diese Frage stellt, kann dann auch weiter fragen, wie es die Leute von Ninive getan haben: „Vielleicht sorgt Gott doch für uns, wenn wir uns ihm zuwenden, nach seinem Willen fragen und dementsprechend handeln?“
Vorläufig abschließend noch dieses: Vielleicht können ja mit dem hier gerade Genannten ein paar Denkanstöße geben werden, die uns verinnerlichen lassen, dass man nicht der Meinung folgen muss, die da heißt „Daran kannst Du nichts ändern!“, sondern mutig ins Spiel zu bringen: „Vielleicht lässt sich da doch noch was machen!“ Was von Gott her im guten Zusammenspiel mit den Menschen möglich ist, kann man in der Jona-Geschichte, aus der uns heute ein Teil als Lesung vorgetragen wird, erkennen, und es wird deutlich in der Menschwerdung seines Sohnes und allem, was daraus resultiert. Da sollte wohl, zumindest ansatzweise, in unserem Alltag auch einiges möglich sein!
Es mag eine „kurvenreiche Strecke“ sein, der wir jetzt gefolgt sind. Da kann man sich aber sagen lassen, dass sich in Kurven der Blickwinkel ändert, was nun wiederum zu einer besseren Gesamtsicht der Szene führen kann, aus der dann das entsprechende Handeln resultiert, das wir, besonders in der Fastenzeit, praktizieren können, sollen oder wollen, je nachdem, wie weit man dabei geht.
Dienstag der Ersten Fastenwoche 2026
„Bauchmiezeln“, ja diesen Begriff gibt es tatsächlich, und dahinter verbirgt sich nicht viel etwas anderes als jemandem zu schmeicheln oder auch jemandem „Honig ums Maul zu schmieren.“ Wenn man etwas erreichen möchte, kann das Genannte durchaus als Hilfsmittel dienlich sein.
Wenn wir beten, geschieht das oft in Form von Bitten und Klagen, und manchmal fehlen uns auch die richtigen Worte. Dann können wir uns der Bitte anschließen, die einer der Jünger ausgesprochen hat, nachdem Jesus gebetet und sein Gebet beendet hatte: „Lehre uns beten“ (Lk 11,1). Als Antwort bekommt er das zu hören, was wir als „Vaterunser“ kennen. Wenn jemand das Beten lernen und praktizieren möchte, dann wird es immer richtig sein, die Worte zu sprechen, die Jesus als Empfehlung gegeben hat. Damit kann man alles andere, was einem im Leben bewegt, verbinden und es vertrauensvoll vor Gott tragen.
Es ist sicher nicht verboten, im persönlichen Gebet das, was da im Neuen Testament als „Vaterunser“ dargelegt wird, „bauchmiezelnd“ in Wort zu bringen, was dann vielleicht so klingen könnte:
Vater, Du wirst Dich doch erinnern, dass wir Deine Kinder sind: Schwestern und Brüder Deines Sohnes. Wir sind sicher, dass Du für diese Familie sorgen wirst. Das macht doch ein guter Vater. Und der bist Du doch!
Du willst doch wohl, dass Dein Name und Deine Person über alles andere großgeschrieben wird, dass dein Reich erstehe, indem geschieht, was deinem Willen entspricht, und das nicht nur in einer kommenden Welt, sondern schon hier, auf der Erde... Weil das so ist, wirst Du uns sicher die Kraft geben, uns dafür einzusetzen!
Herr, es geht uns nicht an erster Stelle um uns, sondern um Dich!
Wenn Du nun als groß, ja als der Größte, erkannt und anerkannt sein möchtest, und da stehe ich voll dahinter, wird es, mit Verlaub gesagt, gut sein, wenn Du auch für uns sorgst. Und genau darum wollen wir Dich bitten. „Nicht uns bring zu Ehren Herr, sondern Deinem Namen gib Ehre“ (Ps 115,1) Wie könnte das besser geschehen als dadurch, dass unsere Mitmenschen sehen, dass wir einen Gott haben, der für uns da ist und sich als liebender und fürsorgender Vater zeigt.
Wir wünschen uns nicht mehr, als dass du „jeweils heute“ für uns sorgst. Das bewahrt uns vor Zukunftsängsten. Und wenn wir da vom Brot, das wir brauchen, sprechen, darfst und sollst Du wissen, dass wir uns darüber im Klaren sind, dass der Mensch nicht nur allein vom Brot lebt, sondern von jedem Wort, das aus Deinem Mund hervorgeht (Mt 4.4). Dieses Wort kehre nicht leer zu Dir zurück, sondern bewirke, was Du willst, und erreiche all das, wozu Du es ausgesandt hast. (Vgl. Jes 55,11 und das, was in der Lesung des heutigen Tages in den Versen 10 und 11 im 55. Kapitel zu vernehmen ist.) Herr, gib uns dieses Brot, und wir werden in der Lage sein, sogar bei einem Wortgefecht mit dem Teufel als Sieger hervorzugehen – Dir zur Ehre und zum Ruhm!
Was das Erlassen von Schulden und den Umgang mit Schuldnern betrifft, muss ich gestehen, dass wir in Worten sehr schnell sind. Hier wird jedoch in der Realität so manches „auf der Strecke geblieben“ sein. Dann wollen wir bedenken, was Du, Herr, angemahnt hast, als es darum ging, wie Opfergaben zum Altar gebracht werden sollten: „Versöhne Dich zuerst mit deinem Bruder“ (Mt 5,24). Das Gebet, das wir jetzt ins Wort bringen und bedenken, möge uns darauf aufmerksam machen, wo diesbezüglich Handlungsbedarf ist, und es helfe uns, unser Tun dementsprechend auszurichten.
Noch problematischer als die Frage, ob wir denn unseren Schuldnern tatsächlich vergeben haben, so ist es in der neuesten Übersetzung der Bibel im Vers 12 des 6. Kapitels bei Matthäus überliefert, wird es, wenn bei unserem Gebet die Frage aufkommen muss, ob Gott denn wirklich in Versuchung führen will: Wenn ja, dann sicher nur, damit wir gestärkt daraus hervorgehen, wie es von Jesus überliefert wird, als er in der Wüste vom Teufel in Versuchung geführt wurde (Vgl. Mt 4,1-11). Wir können da sicher unmissvertändlicher im Hinterkopf haben: „Führe uns auf dem rechten Weg!“
Wenn dann noch die Rede davon ist, dass wir vor dem Bösen gerettet werden mögen, dann sind sicher nicht die kleinen Fehler, die wir begehen, gemeint, sondern eine Person, die wir „Teufel“ nennen. Eine Person, die uns in vielfältiger Gestalt begegnen kann. Eine Person, die gerade dann zum Angriff ausholt, wenn wir in besonderer Nähe zu Dir, Gott, stehen. - Herr bewahre uns vor diesen Begegnungen und vor dem, was daraus resultiert, wenn wir meinen, dass es diese Person nicht gebe.
Wenn wir das im Blick haben und entsprechend handeln, dann wird geschehen, was im Buch Maleachi, erstes Kapitel, Vers 11, geschrieben steht: „Dein Name wird groß sein unter den Völkern“, womit wir wieder amAnfang des Vaterunsers und den Bitten, die dort formuliert sind, angelangt wären: „Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe.“
Montag der Ersten Fastenwoche 2026
„Der Mensch ist, was er isst“, dieser Ausspruch dürfte nicht ganz unbekannt sein. Er wurde von Ludwig Feuerbach, einem deutschen Philosophen, im Jahr 1850 formuliert. Wer ihn vernimmt, dem sollte wohl schon bald klar sein, dass man nicht etwa ein Schwein ist, wenn man Schweinefleisch isst. „Ein Schwein zu sein“, dazu bedarf es nicht der Frage, welche Nahrungsmittel zu sich nimmt...
Es geht wohl eher darum, so jedenfalls die Deutungen, die ich auf die Schnelle im Internet gefunden habe, dass die Ernährung eine wichtige Grundlage für das Wohlbefinden des Menschen ist und dementsprechend das Verhalten, das Denken, die Identität und nicht zuletzt die Form des Menschen bestimmt. – Will man diesbezüglich die eigene Person betreffend etwas ändern, ist, so halte ich das jetzt hier einmal fest, die „Fastenzeit“ die beste Gelegenheit dazu.
Man kann den Ausspruch Feuerbachs aber auch im weiteren Sinne deuten – etwas Weite zu zeigen (auch in der Leibesfülle) ist ja nicht unbedingt verboten – und eine Verbindung zu dem bekannten Satz herstellen, der da lautet: „Kleider machen Leute“ und zu dem, was diesbezüglich die Persönlichkeit betrifft.
Irgendwie kann man die Sache mit dem Essen und dem Sein dann auch in der Richtung drehen, dass an der „reich gedeckten Tafel“ oder dem „Blechnapf“, aus dem man isst, zu erkennen ist, ob man „wer ist“.
Um die Frage, wer man ist bzw. sein soll, geht es auch in der heutigen Lesung aus dem Buch Levitikus (Lev 19,1-2.11-18). Hier kommt die „Heiligkeit“ ins Spiel, und die hat wohl ihren Grund im Buch Genesis, in dem es im ersten Kapitel heißt: „Gott schuf den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn.“
Das ist ein sehr hoher Anspruch, und um dem gerecht zu werden, hat Gott die Gebote gegeben, die an mehreren Stellen in der Heiligen Schrift genannt und kommentiert werden, so auch in der Lesung des heutigen Tages.
Jesus hat in seiner Botschaft diese Gebote aufgenommen und lässt uns wissen, dass er nicht gekommen ist, um zu streichen, sondern um zu erfüllen. So zeigt sich dann auch die Heiligkeit in seiner Person als der „Christus“ in der höchsten Form. Wenn wir uns „Christen“ nennen, sind wir dazu aufgerufen, ihn nachzahmen und ihn dadurch in unserer Zeit und Welt präsent zu machen. – packen wir das an, gerade auch in der Fastenzeit, in der man sich schon mal fragen sollte, wie diese zu gestalten sei!
Im Evangelium des heutigen Tages (Mt 25,31-46) werden wir bei der großen Gerichtszene, die uns geschildert wird, auf eine Tatsache aufmerksam gemacht, die sich kurz mit dem Satz „Abgerechnet wird zum Schluss.“ umschreiben lässt. Die Menschen früherer Zeiten hatten das wohl mehr im Blick als wir Heutige, nämlich dann, wenn ihnen diese Szene bildlich und mitunter recht drastisch, unter anderem im Rahmen von Kirchenportalen, vor Augen gehalten wurde. – Dem gegenüber blicken wir heutzutage mehr auf die Gegenwart und wünschen uns, frei zu sein und tun und lassen zu können, was wir wollen. – Das kann man ja auch getrost machen, wenn man im Blick hat, dass es ein Endgericht geben wird und dass dort über „Freispruch oder nicht“ geurteilt wird. Was zu tun ist, um nach dem Urteil auf der richtigen Seite zu stehen, wird uns in den Texten des heutigen Tages gesagt.
Nun gilt es, in Freiheit zu handeln und dabei im Blick zu haben: Das Maß der Freiheit richtet sich nach dem Wohl der anderen.
Erster Fastensonntag 2026
Die Lesungen des Ersten Fastensonntags betreffend möchte ich heute einfach einmal ein paar „Gedankensplitter“ ins Spiel bringen, über die nachzudenken sich lohnt:
- Mehrfach ist in der Literatur zu lesen, unter anderem auch als Buchtitel: „Es gibt kein Paradies ohne Schlange.“
- Versuchungen beginnen oft mit dem kleinen Wort „wenn“. (Siehe Evangelium des heutigen Tages: Mt 4,1-11) Zugleich aber ergeben sich daraus Chancen.
- Wenn uns die Augen aufgehen sollen, dürfte es schon von Belang sein, durch wen das geschieht. In der Lesung, die uns vom so genannten „Sündenfall“ berichtet (Gen 2,7-9; 3,1-7) erweist sich der Teufel als Macher, und das bringt Ärger, nicht nur für Adam und Eva, sondern das gesamte Menschengeschlecht. – Wie gut, dass es dabei nicht geblieben ist, sondern dass später Jesus gekommen ist, unter anderem, um die Blinden sehend zu machen! Das aber ist neben anderen ein Zeichen dafür, dass das Reich Gottes, nennen wir es Himmel oder auch Paradies, durch ihn und mit ihm nun angebrochen ist. (Vgl. Mt 11,5 und Lk 7,22)
- Die „besonders Schlauen“ sind, wie sich im Fall der Schlange im Paradies zeigt, nicht unbedingt auch die „besonders Guten“. Das sollte man im Blick haben!
- Was „verlockend“ ist - selbst wenn es sich nur um Bäume und deren Früchte handelt, kann durchaus auch Gefahren in sich bergen.
- Und nun noch ein Satz, der im Umkehrschluss recht tröstlich erscheint: Wo Gott ist (Nennen wir das von mir aus „Paradies“.), ist der Teufel nicht fern. Damit muss man einfach rechnen! Umgekehrt gilt in ein bisschen Abwandlung der bekannte Ausspruch: „Wo die Not am größten, und die ist sicher da, wenn wir vom Teufel geplagt werden, ist Gottes Hilfe am größten.“
- Schließlich noch dieses: Wer sich von Gottes Geist führen lässt, wird zwar vielleicht so manches durchmachen müssen, wird aber im Endeffekt dadurch gestärkt werden.
Samstag nach Aschermittwoch 2026
„Neubau oder Sanierung?“ – Schon wieder beginne ich meine Betrachtung zu den Lesungen des heutigen Tages mit einer Frage. Es ist eine Frage, die im Hinblick auf Gebäude sicherlich oft gestellt wird und beantwortet werden muss.
Das gilt jedoch nicht nur für Bauwerke im wörtlichen Sinn, sondern im übertragenen Sinn auch in manch anderem Bereich und – ich will da nicht lange drum herumreden – auch wenn es um die Kirche geht, in wenigstens zweifachem Sinn: Zum einen geht es um das aus Stein oder anderen Materialien errichtete Gebäude, zum andern aber auch um das „Bauwerk aus lebendigen Steinen“, in welches wir uns einbauen lassen bzw. in welchem wir als jeweils unterschiedlicher Stein verschiedene Aufgaben übernehmen sollen. Im Ersten Petrusbrief heißt es da treffend: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen.“ (1 Petr 2,5)
Wem es nicht gefällt, nur einer von vielen Steinen, aus denen die Kirche zusammengefügt ist, zu sein, der lasse nicht außer Acht, dass dem trotzdem so ist, und gebe sich neu in seine spezielle Rolle hinein. Er kann aber auch dankbar den Abschnitt aus dem Buch des Propheten Jesaja annehmen, in dem vom Maurer die Rede ist, der, wie es heißt, „die Risse ausbessert und die Ruinen wieder bewohnbar macht“. (Jes 58,12), und sich in die Rolle des Maurers hineinversetzen.
Und wenn wir gerade einmal beim Thema „Bauen“ sind, lasse man sich daran erinnern, dass es für das gute Gelingen eines Bauprojektes und dessen Erhaltung eines Planes, an den man sich hält, bedarf. So etwas wie ein Plan wird uns heute in der Tagesliturgie in der ersten Lesung (Jes 58 9b-14) vorgelegt, wenn dort davon die Rede ist, dass man der Unterdrückung ein Ende machen, nicht mit dem Finger auf andere zeigen und niemanden verleumden, sondern vielmehr dem Hungrigen das Brot reichen und den Darbenden satt machen soll. Wenn dann hier auch noch erwähnt wird, dass der Sabbat zu halten ist, muss es uns einfach dazu bringen, das Verhalten, das wir an den Sonntagen zutage bringen, mal gründlich zu überdenken und gegebenenfalls einer Korrektur zu unterziehen.
Wenn wir so wollen, ist die alttestamtliche Lesung, die uns heute im Gottesdienst vorgestellt wird, eine recht ordentliche Erfüllungshilfe für das große Gebot der Gottes- und Nächstenliebe, welches ja gewissermaßen wie eine Präambel über allen anderen Geboten steht.
Das Bild von einem Bauwerk, das aus vielen Steinen besteht, ist recht bekannt, und es dürfte nicht schwer sein, brauchbare Erklärungen dafür zu geben.
Wenn ein solche Bauwerk jedoch Bestand haben soll, bedarf es des Mörtels, der die Steine miteinander verbindet. Und da kann man, wie ich meine, die Liebe als solchen bezeichnen. Wie diese sich konkret zeigen kann, sehen wir am Wirken Jesu, auch, und gerade dann, wenn er sich denen zuwendet, die besonders seiner Hilfe bedürfen.
Wenn wir dem Beispiel Jesu folgen, dürfte es zu einer guten Sanierung der Welt und in ihr der Kirche kommen, und ein Neubau wird überflüssig.
Alte Teile, geschickt neu eingebaut, können, das wird man leicht nachvollziehen können,
übrigens einen sehr guten Eindruck hinterlassen und anziehend wirken.
Freitag nach Aschermittwoch 2026
„Sein oder Nicht-Sein, das ist hier die Frage!“ dieser Ausruf ist wohl als „allgemein bekannt“ zu bezeichnen. Man kann freilich auch allgemeiner formulieren: „Entweder – oder!“, was so viel bedeutet wie: „Du musst Dich zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden.“ Wenn wir es einmal so betrachten wollen, besteht das ganze Leben aus solchen Entscheidungen, und ich las einmal auf einer Spruchkarte, was wohl stimmen mag: „Das Schwierigste im Leben ist, dass man sich ständig entscheiden muss.“
Solche Entscheidungen liegen auch an, wenn es um bestimmte Bezeichnungen oder Titel geht. Nicht anders verhält es sich da mit der Frage, wie man die 40 Tage vor Ostern bezeichnen sollte. Früher war ganz klar: „Fastenzeit“! Heutzutage spricht man gerne von der „Österlichen Bußzeit“ und meint sich dabei als „weise“ zu geben. Dabei fällt den wenigsten Menschen auf, dass das nicht ganz so hinhaut, weil nämlich nach Ostern alles andere angesagt ist als das, was wir da vor Ostern tun sollen. Genaugenommen müsste es da schon heißen „Vorösterliche Bußzeit“.
Um eine Lösung zu finden, besinne man sich auf den Ausspruch Jesu, der, jetzt mal von mir neutral formuliert, lautet: „Man muss das eine tun ohne das andere zu lassen.“
Jesus spricht unter anderem ja auch von einem „Hausherrn, der Altes und Neues aus seinem reichen Vorrat hervorholt“.
Wem das zu fromm klingt, der kann sich auch an einen Satz halten, den ich einmal in einem Bergsteigerkalender gefunden habe: „Du hast immer zwei Möglichkeiten. Entscheide Dich für die dritte!“
In diesem Sinne kann man die Zeit vor Ostern unter den verschiedensten Aspekten betrachten und muss damit nicht direkt etwas ganz falsch machen, wenn man sich dafür entscheidet, den einen oder anderen Schwerpunkt zu setzen.
Das mit dem Fasten sollte man allerdings nicht ganz außer Acht lassen, weil davon in der Lesung des heutigen Tages aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 58,1-9a) und auch im Evangelium (Lk 9,22-25) die Rede ist. Hier wird das Thema „Fasten“ ins Wort gebracht, und es werden vom Propheten Jesaja klare Anweisungen gegeben, dass es um mehr geht als nur um Verzicht auf Speisen und Getränke. Was da im Alten Testament als klare Anweisungen formuliert ist, wird von Jesus später in der Bergpredigt übernommen und prägnant in der so genannten „Goldenen Regel“ (Mt 7,12) formuliert: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch für sie. Darin besteht das Gesetz und die Propheten.“
Jesus „setzt dann noch eins drauf“, wenn er in seiner weiteren Rede verlauten lässt: „Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, und der Weg ist breit, der ins Verderben führt.“ (Mt 7,13a)
Bei der vorliegenden Betrachtung der Dinge kann und soll man ganz nebenbei einmal darauf aufmerksam werden, dass es das Verhältnis von „Altem und Neuem Testament“ betreffend nicht unbedingt ein „Entweder-oder“, es sei denn, dass es von Jesus heißt „Ich aber sage euch...“ gibt, sondern dass es um „Verheißung“ und „Erfüllung“ geht.
Fazit: Immer das Ganze im Blick haben, auch wenn das ein wenig Mühe macht!
Donnerstag nach Aschermittwoch 2026
Wenn davon gesprochen wird, dass dieses oder jenes bedingungslos geschehen soll oder kann, und davon ist wohl so manches Mal und in so manchem Zusammenhang die Rede, so möchte ich mich jetzt einmal „ganz weit aus dem Fenster lehnen“ mit der Behauptung, dass es sich dabei um ein Paradoxon handelt, und ich will es auch gleich begründen: Wenn Bedingungslosigkeit gefordert wird, ist das ja auch schon eine Bedingung!
Alsdann möchte ich behaupten, und denke, dass das nachvollziehbar ist: Es dürfte wohl jegliches Gelingen oder Misslingen von Bedingungen abhängig sein. Wer will, kann da auch von Voraussetzungen sprechen: Pflanzen können nur wachsen, wenn sie in der richtigen Umgebung stehen und entsprechend gepflegt werden. Ein „Benziner“ kann nur dann auch fahren, wenn man ihm den entsprechenden Kraftstoff einverleibt. Ein Haus kann nur festsehen, wenn es auf festem Grund steht, und ein Reich kann nur bestehen, wenn es nicht in sich zerstritten ist, wobei wir schon bei einem der biblischen Beispiele wären, wenn es um Bedingungen und Voraussetzungen geht.
Wohl jeder Mensch wird genügend Beispiele finden, bei denen das Wörtchen „wenn“ eine entscheidende Rolle spielt. Und dann ist er in seinem Tun gefordert.
Verständlich ergänzend kann man dazu zitieren: „Wenn das Wörtchen ‚wenn‘ nicht wär‘, wär‘ ich schon lange Millionär.“ oder auch: „Ohne Fleiß kein Preis!“
Das Genannte dürfte einleuchtend sein, und auf diesem Hintergrund wird man auch einsehen, dass es, wenn es in der ersten Lesung des heutigen Tages aus dem Buch Deuteronomium (Dtn 30,15-20) um das Reich Gottes, um Leben und Tod, Glück und Unglück geht, nicht anders ist.
Das Thema setzt sich im Evangelium des heutigen Tages (Lk 9,22-25) fort, wenn es dort heißt: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Man könnte auch formulieren: „Wenn du mein Jünger sein willst, dann handle entsprechend.“ – „Sich selbst verleugnen“ bedeutet übrigens nichts anderes als „Den anderen größer sein lassen“, was uns sicher sehr schwerfallen mag. Die Fastenzeit bietet die Gelegenheit, aufs Neue im eigenen Leben Jesus den Größten sein zu lassen oder auch anderen Menschen mehr Wertschätzung entgegenkommen lassen als sich selbst.
Wir lassen uns auf so mache Bedingungen ein bzw. setzen uns ihnen aus, um „zu etwas zu kommen“. Dem sollten wir, wenn es um das Reich Gottes und das Ewige Leben geht, in nichts nachstehen und müssen eventuell neue Schwerpunkte setzen.
Scheinbar paradoxe Situationen können mitunter durchaus dazu anregen, miteinander ins Gespräch zu kommen oder wenigstens mal über die Dinge genauer nachzudenken.
Aschermittwoch:
Heute ruft der Herr im Buch Joel dazu auf, von ganzem Herzen zu ihm zurückzukehren. Das aber soll sich nicht, wie wir mitunter meinen, in Äußerlichkeiten zeigen, sondern als erstes in einer inneren Umkehr, aus der dann das Tun resultiert, welches Gott trotz unseres häufigen Fehlverhaltens bewegt, uns seine Gnade zu schenken. Der Gottesdienst spielt dabei eine große Rolle, und ich denke, dass da so mancher Mensch ein bisschen was in seinem Leben korrigieren oder auch Neues praktizieren kann, wenn er zum Beispiel – so einfach ist das! – mal den einen oder anderen Werktagsgottesdienst besucht. Du kannst Dir auch vornehmen, besser auf die Worte, die in der Liturgie vorkommen, zu hören und bewusster das eine oder andere Anliegen still einbringen oder auch den amtierenden Priester bitten, in diesem oder jenem Anliegen ganz besonders zu bitten. Die so genannten „Messintentionen“ kann man auch für Lebende in den Blick nehmen und zum Ausdruck bringen, nicht nur für Verstorbene! Das kann ganz still und bewusst im Inneren des Einzelnen und zwischen ihm und Gott geschehen. Wenn dabei aber die Gemeinde, zum Beispiel bei den Fürbitten, mit einbezogen wird, sollte das nicht von Schaden sein! Im Lesungstext aus dem Buche Joel wird deutlich, dass Gott mit sich reden ließ. Und wenn er es in früheren zeiten getan hat, warum sollte das nicht auch heutzutage geschehen – und selbst dann, wenn es mit dem Zweck geschieht, dass die Mitmenschen nicht sagen: „Wo ist denn euer Gott?“, was ja gelegentlich so zur Sprache kommen mag.
In der zweiten Lesung des heutigen Tages, sie stammt aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (2 Kor 6,1 und 2), erinnert der Verfasser die Gemeinde daran, dass jetzt die Zeit zum Handeln ist – und zwar als eine Zeit der Gnade, und Du wirst daran erinnert, dass Gott Rettung schenkt. Das galt für die Menschen, die damals gelebt haben. Es gilt aber auch für uns Heutige, wenn wir diese Worte hören oder lesen. Das ist tröstlich. Und ein bisschen Trost haben wird doch immer wieder mal nötig!
Im für den Aschermittwoch vorgesehenen Evangelium (Mt 6,1-6.16-18) werden dann ganz konkret Beispiele genannt, die uns helfen können, die Zeit richtig zu nutzen. Wir können ja mal ganz neu damit beginnen zu beten und Almosen zu geben (sprich: Fastenopfer),
Wenn das kein Tipp für eine gesegnete Fastenzeit ist! Fangen wir damit an, ein bisschen was davon wird gewiss gelingen!
